Recherchiert und zusammengestellt von Kurt Kuch im Jahre 2001
Laufend erweitert von Tillfried Schober
Die Oberwarther Sonntagszeitung vom 7. Mai 1893 berichtet darüber, dass die Freiwillige Feuerwehr am 30. April um 4 Uhr morgens die seit ihrem Bestehen übliche musikalische Tagwache anlässlich des 1. Mai veranstaltete. Somit weiß man, dass 1883 - dem Gründungsjahr der Feuerwehr - unter Feuerwehrkommandant Friedrich Koczor nicht nur die Wehr, sondern auch die Feuerwehrkapelle Oberwart gegründet wurde. Am 28. und 29. Juni 1896 (siehe Faksimile Bildergalerie „Aus alten Archiven“) spielte diese Feuerwehrmusik an der Spitze einer Marschformation anlässlich des 25jährigen Bestehens der Feuerwehr in Pinkafeld. Um die Jahrhundertwende bis Ende des 1.Weltkrieges führte die Feuerwehrmusik eher ein Scheindasein und bestand nur auf dem Papier. Klarinette gespielt wurde jedenfalls in der Tanzkapelle Pongratz im Jahre 1902. Ab 1924, unter Kommandant Johann Wehofer, wurde das Interesse für eine Musikkapelle wieder geweckt. Kanzleidirektor Georg Dulzer erteilte den Musikern theoretischen Unterricht, der Musiker Eberhardt aus Jabing sorgte für den praktischen Unterricht.
Ab 1925 wurde wieder in voller Stärke musiziert. (Siehe Bild vom 15. April 1925 - Bildergalerie „Aus alten Archiven“).
Aus den 1930er-Jahren sind immer wieder Auftritte der FF-Kapelle in der „Oberwarther Sonntagszeitung“ bekannt. Die letzte Erwähnung dort findet die Kapelle jedoch bereits im Jahr 1936, als sie eine Veranstaltung im Gasthaus Simon in Unterschützen musikalisch umrahmte. Zeitzeugen berichten, dass es zu jener Zeit mindestens drei Tanzkapellen (vornehmlich mit Streichinstrumenten), sowie eine Blaskapelle der Roma gab. Der evangelische Kantor und Lehrer Mühl, ehemals Musikkommandant der FF-Kapelle, gab auch weiterhin Unterricht für Blasinstrumente und führte eine eigene Kapelle. Auch dazu existiert ein Foto aus dem Jahre 1936, auf dem Oberwarter Musiker unter der Leitung von Friedrich Mühl und Samuel Hutter als Blaskapelle zu sehen sind.
Nach dem 2. Weltkrieg gab es 1948 mit den vier Musikern Fritz Obojkovits - Trompete, Ludwig Obojkovits - Trompete, Anton Pirnar - Waldhorn und Johann Obojkovits - F-Bass das erste Turmblasen zu Weihnachten. Die Oberwarter Zeitung berichtet auch über das Turmblasen 1949. Dazu ist am 1. Jänner 1950 über die „Zunft der Bläser unter der Leitung von Kapellmeister Kappel“ und die vier genannten Musiker zu lesen. Die Initiative zur Gründung und auch die Gründung der Stadtkapelle selbst ist dann Familie Dr. Prosenč zu verdanken. Dazu kam es im Jahr 1951: Die Stadtkapelle, wie sich die Musiker zu dieser Zeit selbst nannten, mit 11 Musikern und Gründungskapellmeister Johann Kappel war geboren. Erster offizieller Auftritt war wieder das Turmblasen zu Weihnachten.
Da kein Geld für Uniformen vorhanden war, wurden zuerst nur Kappen angeschafft. Die 1. komplette Uniform wurde 1954 im Genossenschaftssaal (heutiges OHO) bei einem Konzert vorgestellt. Gründungskapellmeister war Johann Kappel, welcher zu seiner silbernen Hochzeit von den Musikern einen prachtvollen Taktstock geschenkt bekam, der ihn bei jedem Konzert bis zu seinem tragischen Tod im Jahre 1960 begleitete. Die öffentlichen Auftritte bestanden in der Gründerzeit in Teilnahmen an Prozessionen, Begräbnissen, Versammlungen, Turmblasen und Marschmusik. Gleichzeitig wurde auch die Tanzkapelle Oberwart, die aus Vereinsmusikern bestand, gegründet.
Nach dem Tod des Gründungskapellmeisters stand die Kapelle führungslos da. Die Proben wurden interimsmäßig von Kapellmeister Hans Gutleben, dem damaligen Leiter der Tauchener Knappenkapelle geleitet. Unterstützt wurde er von Hans Baldauf, damals Professor an der Hochschule für Musik in Graz.
Der spätere langjährige Obmann OSR Hans Ochsenhofer, der 1956 den Evangelischen Posaunenchor gegründet hatte, ergriff 1961 die Initiative und überzeugte den damaligen Leiter der Musikschule Oberwart, Dir. Karl Messner, gemeinsam mit ihm die musikalische Leitung der Kapelle zu übernehmen. So wurde Karl Messner der neue Kapellmeister und Hans Ochsenhofer sein Stellvertreter. Dieses Führungsduo sollte die Stadtkapelle in den folgenden Jahren zu beachtenswerten Erfolgen und großer Popularität führen. War es bei Johann Kappel die Disziplin, die bestach, so war es unter Prof. Karl Messner die Musikalität. Beim Konzert im Oberwarter Parkkino am 12.05.1963 setzte Karl Messner mit der Uraufführung seiner „Fröhlichen Stadtmusikanten“ den Grundstein zum Ruf, einer der bekanntesten Komponisten des Burgenlandes zu sein. Seine Berufung als Landeskapellmeister des Burgenlandes und die Ernennung zum „Professor“ beschreiben ohne viele Worte seinen exzellenten Werdegang.
Am 29.3. 1963 wurde die Stadtkapelle Oberwart als ordentlicher Verein gegründet. Als Kapellmeister und geschäftsführender Obmann fungierte MS-Dir. Karl Messner, der offizielle Obmann war bis 1972 Bgm. Ferdinand Hatvagner. In diesem Jahr übernahm Hans Ochsenhofer diese Funktion. 1965 wurde die 2. neue Uniform (Tracht) angeschafft, die bis 1991 getragen wurde.
Mit dem Beginn der Wertungsspiele im Burgenland im Jahre 1966, wurde einerseits die musikalische Qualität enorm gesteigert, andererseits schuf sich die Stadtkapelle durch ihre ausgezeichneten Ergebnisse im Lauf der folgenden Jahre gleichzeitig national als auch international einen klingenden Namen. Die ersten Auslandsreisen nach Meran – ITA (1972), Liechtenstein (1973 + 1974), nach Gersthofen – BRD (1975), nach Kischinow - UdSSR (1976) und nach Leverkusen – BRD (1978) zeugen davon. - Im Jahr 1971 wurde anlässlich "50 Jahre Burgenland" und des 20-jährigen Bestandsjubiläums der Stadtkapelle das Landesmusik- und Trachtenfest mit ca. 2.000 TeilnehmernInnen aus dem In- und Ausland in Oberwart veranstaltet.
Ein besonderer Absatz sei an dieser Stelle Frau Gertrude Jeroucic gewidmet. Sie war es nämlich, die im Jahre 1973 als erste weibliche Musikerin, damals noch als Gertrude Sonnleitner auf ihrer Klarinette, Mitglied der Stadtkapelle wurde.
Der Bassist Hans Baldauf übernahm 1977 nach 1½ Jahrzehnten von OSR Hans Ochsenhofer die Obmannschaft. 1979 wurde Ing. Josef Tschögl neuer Obmann. Er war rückblickend der einzige Obmann, der nicht aus der Kapelle stammte. Ab 1980 übernahm Kapellmeister Gerhard Imre die musikalischen Geschicke des Musikvereines und löste damit Prof. Karl Messner nach knapp 2 Jahrzehnten ab. Eine weitere Qualitätssteigerung wurde durch die zusätzliche Ausbildung von zahlreichen Jungmusikern erreicht. Der 1. Oberwarter Martiniball (10.11.1979) im Kontaktzentrum und das 1. Martinikonzert (09.11.80) in der Aula der Hauptschule fallen in diese Zeit. Nicht zu vergessen sind die Parkfeste von 1974 bis 1979 im Stadtpark, sowie die Sommerfeste von 1980 bis 1984 am Badplatz. Die internationalen Reisen nach Kanada (1981), nach Dijon (Frankreich) und Ungarn (1983) wurden von Obmann Erich Gamauf geführt, welcher von 1981 bis April 1983 als langjähriger, exzellenter Baritonist dem Musikverein vorstand. In diesem Jahr schied er und auch Kapellmeister Gerhard Imre aus dem Verein aus. Dem damaligen Obmannstellvertreter und Hornisten Werner Gangoly gelang es in einer – wohl in jedem Verein vorkommenden stürmischen Zeit – die Wogen zu glätten. Im Nachhinein betrachtet, hat Dr. Werner Gangoly wohl die Weichen für eine gelungene Zukunft gestellt und gehörte dem Verein als Hornist noch bis 2008 an.
Zur Jahreswende 1983/1984 wurde mit Josef Baumgartner der 6. Kapellmeister der Stadtkapelle gewählt. Er wurde im Jahre 1984 vom Flügelhornisten Josef Polster als Obmann unterstützt. Im Jahre 1985 wurde dann mit dem Trompeter Kurt Kuch ein Obmann gewählt, der die Geschicke des Vereines über ein Jahrzehnt lenkte. Von 1985 bis 1989 wurde die finanzielle Basis des Musikvereines mit dem Festzelt auf der "agromot" (Frühjahrsmesse) gelegt. Gleichzeitig wurde 1985/86 mit dem Bau eines neuen Probelokales in der Evang. Kirchengasse 3 begonnen, welches mit einem Kostenaufwand von über einer Million Schilling aus Eigenmitteln des Vereines errichtet und am 31.12.1986 mit der ersten Probe in Betrieb genommen wurde. Am 12.4.1987 folgte die feierliche Eröffnung in Anwesenheit von Landeshauptmann Theodor Kery und Ehrenobmann Bürgermeister Reg. Rat Michael Racz, dem die Stadtkapelle sowohl persönlich als auch als Repräsentant der Gemeinde wohl immer in Dankbarkeit verbunden bleiben wird.
Mit dem „Blasmusikfestival International“ im Jahre 1986 wurden die internationalen Beziehungen des Musikvereines weiter vorangetrieben. Die Reisen nach Gersthofen – BRD (1985), nach Langweid – BRD (1986) und die 14-tägige Konzertreise nach Deutschland, Holland und Frankreich (1988) zeigen dies deutlich. Doch auch in Oberwart gastierten internationale Gastkapellen: 1984 die Philharmonie Dimmeringen (F), 1985 die Musique Municipale de Chenove (F) und die Blaskapelle aus Nantes/St.Clair (F). Die Zahl der Musikerinnen und Musiker stieg weit über 50, das musikalische Niveau wurde weiter gesteigert. Während des Abschlusses des Klarinettenstudiums von Kplm. Josef Baumgartner, leitete Heinz Taschek 1987/1988 die Kapelle und überzeugte durch seine musikalischen Qualitäten sowie durch seine ruhige Art bei gleichzeitig konsequenter Arbeit.
So konnte die Stadtkapelle im Jahre 1990 beim 1. Österreichischen Blasmusikwettbewerb in Feldkirchen (K) sowohl in der Konzertwertung als auch in der Marschwertung mit „Ausgezeichnetem Erfolg“ bestehen. Sicherlich ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Beim 40-jährigen Vereinsjubiläum 1991 war der Weg dann schon vorgezeichnet. Unter der umsichten Organisation von Obmann Kurt Kuch wurde das Europäische Blasmusikfestival mit Vereinen aus halb Europa abgehalten. Unvergessen bleibt wohl die Serenade vor dem Oberwarter Rathaus, bei dem über 400 Musiker*innen gleichzeitig ein Gemeinschaftskonzert darboten. Im gleichen Jahr wurde die Kapelle auch zum 3. Mal in der Vereinsgeschichte neu eingekleidet (Tracht 91).
1992 reiste der Verein nach Crostwitz (BRD), 1993 nach Kolin (CZ) zum 31. Kmochuv, sowie nach Bautzen (BRD) zu einem Blasmusikfestival. 1994 vertrat die Stadtkapelle das Burgenland beim 7. Oberösterreichischen Landesmusikfest in Wels. Im Jahre 1995
wurde mit dem Klarinettisten Dr. Wilfried Szabo ein neuer Obmann gewählt. Im gleichen Jahr ging es wieder nach Gersthofen (BRD), zu unseren wohl langjährigsten Freunden, den Schwäbischen Bläserbuben.
1996 und 1997 übernahm der Saxophonist Gerd Gabriel die Obmannschaft. Die Reise in die USA (1996) war ohne Zweifel ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.
1998 wurde mit dem Posaunisten Harald Paukovits ein weiterer langjähriger Musiker als Obmann gewählt. Die vierte Reise nach Gersthofen (1998) wurde somit von ihm geleitet. Nach knapp 1½ Jahrzehnten einer überaus erfolgreichen Tätigkeit verabschiedete sich Mag. Josef Baumgartner als Kapellmeister. Er wurde am 3.5.1998 Landeskapellmeisterstellvertreter und war dann vom 2.4.2000 bis zum 3.4.2016 Landeskapellmeister des Burgenlandes. Ab 20.11.1998 leitete der Militärmusiker Hans Miertl als 8. Kapellmeister in der Vereinsgeschichte mit Elan und Engagement die Stadtkapelle Oberwart. Mit 6.1.1999 wurde der langjährige Obmann Kurt Kuch für fünf Jahre zum Präsidenten der Stadtkapelle bestellt. Im Jahre 2000 durfte die Stadtkapelle das Burgenland wieder beim Steirischen Landesmusikfest vertreten.
Am 26.11.2000 trat der Flügelhornist Roland Poiger sein ehrenvolles Amt als Obmann des Musikvereines an. Sechs Jahre lang leitete er die Geschicke des Vereins, zwei Großereignisse sollen hervorgehoben werden: Sowohl das 3. als auch das 4. Internationale Blasmusiktreffen fanden unter seiner Obmannschaft statt und legten Zeugnis sowohl von der musikalischen als auch von der organisatorischen Leistungsfähigkeit des Vereins und seiner Führung ab. Auch die erfolgreichen Konzertreisen nach Badgastein (2003) und nach Cividale (Italien, 2005) fallen in diesen Zeitraum. Die musikalische Leitung der Kapelle lag seit 2002 (mit einer kurzen Unterbrechung; für die Zeit von 2004 bis 2006 stand Mag. Kurt Urbauer am Pult der Stadtkapelle Oberwart) in den Händen von Volker Weyse, MA. Gemeinsam mit dem im Juni 2006 gewählten Obmann Tillfried Schober stand somit wieder ein hochmotiviertes Team an der Spitze des Vereins. Musikalische Bestleistungen, Jugendarbeit und die Gemeinschaftspflege waren die Ziele, die sowohl vom Obmann als auch vom musikalischen Leiter mit neuen Ideen, neuer Energie und besonderem Können angestrebt wurden. In ihre Funktionsperiode fallen die Präsentation einer neuen, völlig veränderten Homepage und die Anschaffung der neuen, sogenannten „Tracht 08“. Konzertfahrten führten der Verein in dieser Zeit 2003 nach Bad Gastein und im Jahre 2009 nach Donnersbach in der Steiermark.
Mit dem Jahr 2010 kann man von einem deutlichen Generationenwechsel an der Spitze des Vereins sprechen. Nach einer mehrjährigen Ausbildungspause kehrte DI Markus Knar BSc. als Musiker an sein Tenorhorn zurück und übernahm gleichzeitig auch die Funktion des Obmanns. Mit ihm an der Seite wagte Alexander Pongracz MA, BA mit seinen 25 Jahren als Kapellmeister den Sprung an die Spitze der Kapelle. Ihre erfolgreiche Arbeit kann man sowohl an den ausgezeichneten Erfolgen bei den Wertungsspielen in allen 3 Kategorien (Polka-Walzer-Marsch, Konzertmusik, Marschmusik) als auch an der perfekten Durchführung des 5. Oberwarter Blasmusiktreffens (2011), dem Ausbau der Räumlichkeiten des Probelokals (2012) und an der Wiederinstallierung eines Nachwuchsensembles der Stadtkapelle im Jahre 2013 ablesen.
Bei der Generalversammlung im Jänner 2015 wurde Rebecca Gutleben, sie war damals bereits seit 11 Jahren Oboistin des Vereins, zur ersten Obfrau gewählt. Unter ihrer Führung nahm die Kapelle noch im gleichen Jahr - nach 2002 zum 2. Mal - am Musikantenstadl in Oberwart teil und hatte auch die Ehre, als eine von wenigen Kapellen beim „Feuerwerk der Blasmusik“, der Festveranstaltung anlässlich des 50-jährigen Jubiläums das burgenländischen Blasmusikverbands, in Mörbisch mitzuwirken.
Am Beginn des Jahres 2016 musste sich die Kapelle von ihrem langjährigen Kapellmeister Prof. Karl Messner, der am 2. Jänner verstorben war, verabschieden. Nach dem Gründungskapellmeister Johann Kappel war er in den ersten Jahrzehnten sicher der prägendste Mann am Pult der Stadtkapelle.
Im gleichen Jahr fand auch das 6. Int. Blasmusiktreffen statt. Intensiv unterstützt durch den Vorstand stand die Obfrau diesem großen Ereignis am Messegelände vor, und gemeinsam konnte man es zu einem Erfolg werden lassen, obwohl sich das Interesse der Bevölkerung leider in Grenzen hielt. 2016 war es auch schon 5 Jahre her, dass eine kleine Formation der Kapelle zum 1. Mal eingeladen worden war, um beim „Kultinarium Wien“ (Drei-Tages-Fest, bei dem sich das Burgenland Am Hof präsentiert) mitzuwirken.
Mit der Generalversammlung 2017 wurde der Saxophonist Matthias Gangoly mit seiner Stellvertreterin Maga. Angelika Miertl an die Spitze des Vereins gewählt. Unter ihrer gemeinsamen Vereinsführung wurde bereits im Mai des Jahres 2017 ein neues Konzertformat aus der Taufe gehoben: Das „Open-Air-Konzert“, das 2017 und 2018 an der Adresse Nestroygasse 1 und 2022 und 2024 im EKO zur Darbietung gebracht wurde.
Mit der GV 2020 kam es zu einem Wechsel an der Spitze des Vereins. Maga. Angelika Miertl und Matthias Gangoly tauschten sozusagen ihre Funktionen, sodass der Kapelle nun bereits zum 2. Mal von einer Obfrau geführt wurde. Da das Jahr 2020 auch für den Verein von der COVID-19-Pandemie geprägt war, waren die Herausforderungen an sie und den Vorstand besonders. Das Vereinsleben konnte nur sehr eingeschränkt aufrechterhalten werden. Mit dem Format „Lebenszeichen“ boten wir aber zumindest kleine Standkonzerte an, und auch bei verschiedenen Früh- und Dämmerschoppen durfte die Kapelle im Freien konzertieren. Die Probentätigkeit lag darnieder und konnte nur mit „Onlineproben“ halbwegs am Laufen gehalten werden. Sämtliche großen Konzerte konnten nicht gespielt werden. Im Jahr 2021 wurde nur zwischen den Lock- Downs im Frühjahr und dann wieder ab Ende November weitere 12-mal im Freien musiziert und das Martinikonzert zur Aufführung gebracht. Mit dem Jahr 2022 gab es dann endlich wieder ein Vereinsjahr wie gewohnt: 28 Auftritte, das Open-Air-Konzert in Oberwart und Bad Schönau sowie das 42. Martinikonzert.
Im Jahre 2023 wurde OStR Mag. Christian Schober für seine 55-jährige Vereinszugehörigkeit ausgezeichnet. Er ist damit in der langjährigen Vereinsgeschichte das erste Mitglied, das auf ein so langes Wirken im Verein zurückblicken kann.
2024 wurde mit den Grätzelkonzerten ein neues Konzertformat aus der Taufe gehoben. Neben den schon seit 2017 veranstalteten Open-Air-Konzerten versucht die Kapelle auch damit, noch näher an die Bevölkerung heranzurücken.
Bereits ab dem Jahr 2020 hatte sich der Vorstand auch mit einer ganz anderen Frage auseinanderzusetzen. Die Stadtgemeinde teilte dem Verein mit, dass das Probelokal Evang. Kirchengasse 3 in absehbarer Zeit zu räumen sein wird, da die Flächen dort anderwärtig genutzt würden. Mit viel Wehmut musste man sich von den vertrauten Räumen verabschieden und mit der Planung beginnen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen des Landes und der Stadt wurde in intensiven, manchmal auch kontroversiellen Besprechungen versucht, zum besten Ergebnis zu kommen. So konnte man im Herbst 2025, finanziert von Land und Stadt sowie aus Eigenmitteln der Kapelle das neue Probelokal des Vereins am Bildungscampus (Schulgasse 31) beziehen. Die offizielle Eröffnung fand am 23. Oktober 2025 statt. Obfrau Maga. Angelika Bayer-Miertl und ihr Vorstand hatten auch diese Aufgabe tadellos gemeistert.
Abgerundet wird das erfolgreiche Bild des Musikvereines auch durch die Tatsache, dass sich viele Funktionäre der Stadtkapelle Oberwart im Burgenländischen Blasmusikverband erfolgreich engagiert haben: Prof. Karl Messner als Landeskapellmeister von 1968 bis 1989, OSR Hans Ochsenhofer als Bezirksobmann von 1978 bis 1983, Gerhard Imre als Landeskapellmeisterstellvertreter, als Landesschriftführer, als Landesstabführer, als Bundespressereferent des Österreichischen Blasmusikverbandes (1996 bis 2012) und als Bezirksobmann von Oberwart (2013 bis 2019), Kurt Kuch als Bezirksobmann (1988 bis 1995), Hans Miertl als Bezirksjugendreferent (1995 bis 2001) und Volker Weyse als Landesjugendreferent (1995 bis 2000); weiters Dir. Mag. Josef Baumgartner als Landeskapellmeisterstellvertreter seit 3.5.1998 und als Landeskapellmeister von 2.4.2000 bis 3.4.2016. Alexander Pongracz als Landes-Jugendreferent Stv. (2006 bis 2013) und als Bezirksjugendreferent (2010 bis 2013), sowie Markus Knar als Bezirks-Obmann Stv. (2013 bis 2016). - An dieser Stelle muss unbedingt auch erwähnt werden, dass der ehemalige Flügelhornist bzw. Trompeter, stabführer und Kapellmeister der Stadtkapelle, Oberst Hans Miertl von 2003 bis 2024, also 21 Jahre lang, Militärkapellmeister der Militärmusik des Burgenlandes war.
Das also ist die Vereinsgeschichte des MV Stadtkapelle Oberwart. An die 75 Jahre bewegtes Auf und Ab; immer wieder Höhen, manchmal auch ein paar Tiefen. Getragen in all den Jahren durch den unermüdlichen Einsatz aller ehemaligen und aktiven Musikerinnen und Musiker, durch einen Vorstand, die Obmänner/die Obfrau und die Kapellmeister, die alle gemeinsam immer nur ein Ziel vor Augen gehabt haben müssen: Musik und Gemeinschaft – für das Land, für die Stadt und natürlich für die Stadtkapelle Oberwart selbst.
P.S.: Jede Vereinsgeschichte birgt – auch nach sorgfältigsten Recherchen – eine nicht zu verhindernde Fehlerquote in sich. Sollten Sie aufklärende Einzelheiten oder fehlende Tatsachen zur Vereinsgeschichte der Blasmusik in Oberwart beisteuern können, so teilen Sie uns das bitte mit. Wir werden dies in unserer Chronik für kommende Generationen gerne festhalten.